Pressemitteilung: Nach Mord in Leipzig: Hinweise auf rassistisches Motiv verdichten sich

Der in der Nacht zum 24. Oktober ermordete Kamal ist höchstwahrscheinlich aus rassistischen Gründen umgebracht worden. Der Initiativkreis Antirassismus Leipzig hatte auf entsprechende Indizien bereits in der vergangenen Woche hingewiesen. „Jetzt verdichten sich die Hinweise mehr und mehr“, sagt Miriam Schleicher, Sprecherin des Initiativkreises. „Und auch überregionale Zeitungen benennen jetzt die Tat als das, was sie war: ein rassistischer Mord, ein grausames Hassverbrechen.“

So berichtet etwa die heutige Ausgabe der TAZ über biografische Hintergründe des Mordverdächtigen Daniel K., der ursprünglich aus Leipzig kommt und sich vor Jahren der militanten neonazistischen „Kameradschaft Aachener Land“ (KAL) angeschlossen hat. Die KAL ist bekannt für Gewalttaten gegen Migrant_innen und Linke. Erst vor wenigen Wochen wurde ein KAL-Mitglied wegen eines geplanten Bombenanschlags verhaftet. Daniel K. selbst saß ebenfalls wegen neonazistischer Gewalttaten in Haft.

Auch der vermutliche Tathergang spricht für ein rassistisches Motiv. So zitiert die heutige BILD-Regionalausgabe für Leipzig die Freundin des Ermordeten, die Zeugin des Angriffs geworden ist. Demnach seien die beiden Täter zielgerichtet auf Kamal losgegangen. „Der politische Hintergrund des Daniel K., die gezielte Auswahl des Opfers und die Kaltblütigkeit der Tat sprechen eine eindeutige Sprache“, sagt Schleicher.

Am Donnerstagnachmittag soll mit einer antirassistischen Demonstration durch die Leipziger Innenstadt auf den Fall aufmerksam gemacht werden. Bereits am Montag haben knapp 500 Menschen einen Trauermarsch zur Beisetzung des Ermordeten begleitet. „Allerdings war die Polizei in einer bedrohlich wirkenden Zahl vor Ort und hat sich besonders pietätlos verhalten. Angehörige des Opfers wurden von Beamten grundlos abgefilmt“, berichtet Schleicher. „Das ist vor dem Hintergrund der Tat nicht nur völlig unangebracht, sondern stellt auch eine in Sachsen übliche, aber rechtlich höchst umstrittene Praxis dar.“

Die Beamt_innen haben zudem nicht reagiert, als Außenstehende die Teilnehmer_innen des Trauermarschs mehrfach unter anderem als „Kanacken“ beschimpft haben. Statt dies zu unterbinden, hat die Polizei Teilnehmer_innen des Trauermarsches zurückgedrängt und wiederum abgefilmt.

Der Initiativkreis Antirassismus Leipzig erklärt dazu: „Wir verbitten uns jeglichen Versuch, antirassistische Arbeit zu kriminalisieren. Eine solche Behandlung werden wir uns bei der Demonstration am Donnerstag nicht bieten lassen. Es ist bitter notwendig und völlig legitim, auf den Mord an Kamal und den in unserer Gesellschaft verbreiteten Rassismus aufmerksam zu machen. Wenn die Polizei gerade bei solchen Anlässen die Muskeln spielen lässt, ist das abstoßend und beschämend.“

Die Demonstration am Donnerstag, 4. November, steht unter dem Motto „Angst und Trauer überwinden – Zusammen gegen Rassismus kämpfen“, wird vom Leipziger „Initiativkreis Antirassismus“ veranstaltet und von weiteren antirassistischen, zivilgesellschaftlichen und migrantischen Initiativen unterstützt. Beginn ist um 17.30 Uhr am Südplatz (Leipzig-Südvorstadt). Die Route wird dort enden, wo Kamal auf seine Mörder getroffen ist.