Pressemitteilung: Nach rassistischem Mord: 1200 Menschen demonstrieren durch Leipziger Innenstadt

Etwa 1200 Menschen haben heute in Leipzig gegen Rassismus und weitere menschenverachtende Einstellungen demonstriert. Anlass war die Ermordung des 19-Jährigen Kamal K. am 24. Oktober vor dem Leipziger Hauptbahnhof. Die beiden inhaftierten Täter hatten offenbar ein rassistisches Motiv. „Unsere große Demonstration hat ein wichtiges Zeichen gesetzt“, sagt Miriam Schleicher, Sprecherin des Initiativkreises Antirassismus Leipzig. Dieses hatte die Demonstration kurzfristig organisiert. „Wir sind erfreut über den großen Zulauf. Spontan wurden mehrere hundert Euro gesammelt, die wir der Familie des Ermordeten und die Opferberatungsstelle RAA spenden werden.“

An der Demonstration haben sich Menschen aus unterschiedlichen politischen Spektren beteiligt, auch Freundinnen und Freunde sowie Angehörige des Ermordeten. Im Verlauf haben sich weitere Passant_innen angeschlossen. Die Demonstration verlief ab 18 Uhr vom Südplatz (Südvorstadt) durch die City bis zum Hauptbahnhof, unweit des Tatortes. Mit einer Reihe von Redebeiträgen haben verschiedene antirassistische und antifaschistische Initiativen dabei auf die alltägliche Diskriminierung von Migrant_innen hingewiesen und darauf, dass Kamal seit 1990 bereits das sechste Todesopfer rassistischer und neonazistischer Gewalt in der Messestadt ist.

Ein Schwerpunkt der Demonstration war auch die Kritik der mitunter unzureichenden Presseberichterstattung in den Tagen nach dem Mord. Eine der Zwischenkundgebungen fand daher unmittelbar vor dem Redaktions- und Verlagsgebäude der Leipziger Volkszeitung (LVZ) statt. Teilnehmer_innen der Demonstration forderten in Sprechchören eine angemessene Berichterstattung, wandten sich außerdem gegen Abschiebungen und die Zumutungen des Asylrechts für die Betroffenen. „Wir wollen diskriminierten und entrechteten Menschen eine Stimme verleihen“, sagt Miriam Schleicher. „Diese Demonstration war ein Baustein. Weitere werden folgen.“

Ziel des Initiativkreises ist es, das Andenken an Kamal dauerhaft aufrecht zu erhalten und mit der Erinnerung an seinen Fall darauf aufmerksam zu machen, dass rassistische Gewalt keine Seltenheit ist und tragische Folgen hat. Dazu Schleicher: „Es ist die Verantwortung jedes Einzelnen, darauf hinzuwirken, Rassismus keinen Platz in unserer Gesellschaft einzuräumen. Er hat genug Unheil angerichtet.“

Die auf der Demonstration vorgetragenen Redebeiträge werden in Kürze auf der Website des Initiativkreises zur Verfügung gestellt.