PM: Demonstration in Leipzig zur Erinnerung an den ermordeten Kamal K.

Mit einer Demonstration durch die Leipziger Innenstadt wird am Mittwoch, 29. Dezember, des vor wenigen Wochen ermordeten Kamal K. gedacht. Der 19-Jährige war in der Nacht zum 24. Oktober vor dem Hauptbahnhof von zwei deutschen Rassisten attackiert und niedergestochen worden, anschließend erlag er im Krankenhaus seinen Verletzungen. „Wir wollen die Erinnerung an diesen schrecklichen Fall wach halten“, sagt Miriam Schleicher, Pressesprecherin des Initiativkreises Antirassismus Leipzig. „Wer etwas gegen Rassismus unternehmen will, darf nicht wegsehen, sondern muss sich seine schrecklichen Konsequenzen vor Augen führen.“

Die Demonstration steht unter dem Motto „Das Schweigen brechen, Rassismus bekämpfen“. Im Aufruf des Initiativkreises wird unter anderem kritisiert, dass der Fall Kamals in der Öffentlichkeit überhaupt nicht mehr präsent ist, obwohl es sich um das sechste Todesopfer rassistischer und nazistischer Gewalt in Leipzig seit 1990 handelt. Auch weitere Fälle, etwa die Ermordung des Obdachlosen Karl-Heinz Teichmann in der Leipziger Innenstadt durch einen Neonazi im August 2008, spielen in der öffentlichen Auseinandersetzung keine Rolle und sind praktisch vergessen worden. „Dabei machen solche Fälle deutlich, dass rechte und menschenfeindliche Gewalt eine reale Bedrohung darstellt, auch und besonders in Leipzig, wie die Statistiken von Opferberatungsstellen belegen“, so Schleicher.

Die Reaktionen darauf werden der Bedrohung allerdings nicht gerecht, wie der Initiativkreis betont. So existiert beispielsweise nach wie vor keine Stellungnahme des Oberbürgermeisters zur Ermordung Kamals. Schleicher: „Wenn ein Mensch aus ideologischen Gründen umgebracht wird und die Stadt danach zum Alltag zurückkehrt, stimmt etwas mit diesem Alltag nicht.“ Bereits am 4. November waren bis zu 1200 Menschen einem Aufruf des Initiaitvkreises gefolgt, bei einer Demonstration auf die Ermordung Kamals und den alltäglichen Rassismus aufmerksam zu machen.

„Diese Auseinandersetzung muss kontinuierlich erfolgen“, sagt Schleicher. Am 29. Dezember wird daher nicht nur in Leipzig auf die Straße gegangen – zeitgleich werden in anderen Städten Solidaritäts-Aktionen stattfinden und auf den Fall Kamal Bezug nehmen. Treffpunkt für die Demonstration in Leipzig ist 17.30 Uhr am Schletterplatz (Evangelisches Schulzentrum/Petrikirche).

– Vertreter_innen der Medien sind bei der Demonstration willkommen und benötigen keine Akkreditierung. Bitte respektieren Sie jedoch den Wunsch vieler TeilnehmerInnen, von diesen keine Nah- und Porträtaufnahmen anzufertigen. Für Rückfrage stehen wir Ihnen gern zur Verfügung. –