PM: 300 Menschen erinnern mit Demo an ermordeten Kamal

Mehr als 300 Menschen haben heute in der Leipziger Innenstadt unter dem Motto „Das Schweigen brechen, Rassismus bekämpfen“ demonstriert. Dazu hatte der „Initiativkreis Antirassismus“ aufgerufen. Anlass für die Demonstration war die Ermordung Kamals. Der 19-Jährige war in der Nacht zum 24. Oktober vor dem Leipziger Hauptbahnhof von zwei deutschen Rassisten niedergestochen worden und erlag wenig später seinen schweren Verletzungen. Unter den Demonstrierenden waren auch Freunde und Verwandte Kamals, unter anderem seine Mutter.

„Mit der Demonstration haben wir auf den rassistischen Mord aufmerksam gemacht“, sagt Miriam Schleicher, Pressesprecherin des Initiativkreises. „Nötig ist dies umso mehr, weil der Fall in der Öffentlichkeit kaum diskutiert wird.“ An einer ersten Demonstration des Initiativkreises am 4. November hatten etwa 1200 Menschen teilgenommen. „Wichtiger als die Teilnehmerzahl ist, dass überhaupt ein Gedenken stattfindet. Immerhin war Kamal das bislang sechste Todesopfer rassistischer und nazistischer Gewalt seit 1990 in Leipzig“, so Schleicher.

Der Initiativkreis hatte in seinem Demonstrations-Aufruf unter anderem kritisiert, dass öffentliche Reaktionen auf den Fall weitgehend ausbleiben: „Die Staatsanwaltschaft informiert nicht über ihre Ermittlungsergebnisse. Auch ein Statement des Oberbürgermeisters liegt nicht vor“, so Schleicher. „Es drängt sich der Verdacht auf, dass der Fall verharmlost werden soll.“ Tatsächlich haben Beamte der Kriminalpolizei jüngst gegenüber den Angehörigen Kamals erklärt, sein Tod sei keinem Verbrechen, sondern einem „Unfall“ geschuldet – weil seine Mörder, beide sind erwiesenermaßen Neonazis, zum Tatzeitpunkt alkoholisiert gewesen sein sollen.

„Für uns ist das eine Schutzbehauptung, sonst nichts“, sagt Schleicher. „Daher wird es weiter nötig sein, dem Fall die nötige Öffentlichkeit zu schaffen.“ Bei der Demonstration am Mittwoch ist dies gelungen, Störungen hat es nicht gegeben. Lediglich ein Anwohner des Kolonnadenviertels hat in Richtung der vorbeilaufenden Demonstrierenden eine Reichskriegsflagge geschwenkt. Die Polizei hat nicht eingegriffen.