Opferberatungsstellen der RAA Sachsen: Mord an Kamal K. rassistisch motiviert

In ihrer am 1.3.2011 veröffentlichten Statistik führen die Opferberatungsstellen der RAA Sachsen den Mord an Kamal K. als rassistisch motiviert auf. Auch in der Statistik des Vorjahres fand sich ein rassistisch motivierter Mord:
Marwa el-Sherbini wurde am 1.7.2009 im Landgericht Dresden von einem Nazi erstochen. Die beiden Taten schließen die lange Liste von rechts motivierten Morden, die von zivilgesellschaftlichen Initiativen bundesweit erfasst werden, vorerst (?) ab.
Laut der Statistik der sächsischen Opferberatungsstellen bleibt Leipzig 2010 zudem die kreisfreie Stadt in Sachsen, in der mit 44 rechtsmotivierten und rassistischen Angriffen die meisten entsprechenden Fallzahlen registriert wurden. Auch relativ betrachtet liegt die Stadt Leipzig mit dieser Zahl – nach den Landkreisen Leipzig und Nordsachsen – vorn.

Zur Statistik 2010

Die Opferberatungsstellen zum Mord an Kamal:

Ein junger Mensch musste sterben, „weil seine Hautfarbe einigen Menschen nicht gefiel.“ Mit diesen Worten äußerte sich die Familie in der Todesanzeige zum dramatischen Verlust ihres Sohnes Kamal Kilade, der am 24.10.2010 an den Folgen seiner Stichverletzungen verstarb. Über die Täter ist bekannt, dass zumindest einer der beiden über Jahre in der organisierten Neonazi-Szene im Raum Aachen, Mönchengladbach und Düren aktiv war. Zeitweise war er Mitglied der NPD nahen „Kameradschaft Aachener Land“. Beide Täter sind auf Grund von Gewaltdelikten vorbestraft.
Den Beschuldigten wird nun durch die Staatsanwaltschaft Leipzig zur Last gelegt, „in der Nacht des 24. Oktober 2010 in einer Grünanlage am Willy-Brandt-Platz in Leipzig ohne erkennbaren Grund mit dem irakischen Staatsangehörigen Kamal K. (19) Streit gesucht und sich dann mit ihm eine Schlägerei geliefert zu haben. In deren Verlauf soll Kamal K. zunächst durch beide Angeschuldigten geschlagen, durch Daniel K. mit Reizgas besprüht und dann durch beide zu Fall gebracht worden sein, wodurch ihm Schmerzen zugefügt wurden. Der Angeschuldigte Marcus E. habe dann dem am Boden liegenden Kamal K. mit einem Messer einen Stich in den Rumpf versetzt. Kamal K. erlitt aufgrund des Stichs schwerste innere Verletzungen, an deren Folgen er trotz einer sofort eingeleiteten intensivmedizinischen Behandlung noch am 24. Oktober 2010 verstarb.“ So ist der Tatablauf der Pressemitteilung der Staatsanwaltschaft Leipzig zur Anklageerhebung Anfang Februar 2011 zu entnehmen. Weiterhin sieht die Staatsanwaltschaft Leipzig keine „hinreichenden Anhaltspunkte für eine ausländerfeindliche Motivation der beiden Angeschuldigten.“
Allerdings konnten „die Hintergründe für die Auseinandersetzung und die Gewalteskalation im Verlauf der Ermittlungen nicht aufgeklärt werden.“ Die Opferberatung des RAA Sachsen e.V. bezieht für ihre Einordnung als rechtsmotivierte und rassistische Angriffe neben den Umständen der Tat immer auch die Opferperspektive ein. Wir arbeiten parteilich für die Betroffenen. Die Angehörigen des getöteten Kamal Kilade sehen der Tat ein rassistisches Motiv zugrunde liegen.