PM: Antirassistische Demo vor Prozessbeginn gegen Kamals Mörder

Mit einer antirassistischen Demonstration wird am Pfingstmontag, 13. Juni, in Leipzig auf den Prozessbeginn gegen die Mörder des 19-jährigen Kamal K. aufmerksam gemacht. Zu der Protestaktion ruft der „Initiativkreis Antirassismus“ auf, Beginn der Demo ist 17.30 Uhr an der Wolfgang-Heinze-Straße/Ecke Auerbachstraße. Die VeranstalterInnen rechnen mit mehreren hundert TeilnehmerInnen.

„Wir wollen erneut auf den Fall aufmerksam machen und an Kamal und die anderen Opfer rechter Gewalt erinnern“, sagt Miriam Schleicher, Pressesprecherin des Initiativkreises. „Auch die jetzt anstehende juristische Aufarbeitung braucht dringend eine kritische Öffentlichkeit.“

Hintergrund: In der Nacht vom 23. zum 24. Oktober 2010 war Kamal vor dem Leipziger Hauptbahnhof von zwei deutschen Rassisten angegriffen und mit einem Messer niedergestochen worden. Kamal erlag kurz darauf seinen schweren Verletzungen. Am Freitag, 17. Juni, wird nun vor dem Leipziger Landgericht der Prozess gegen die beiden mutmaßlichen Täter eröffnet. Die Staatsanwaltschaft spricht allerdings nicht von Mord, sondern geht von „gefährlicher Körperverletzung“ und „Totschlag“ aus. Für die Hauptverhandlung wurden fünf Prozesstage angesetzt, die Urteilsverkündung wird am 8. Juli erwartet.

Anlässlich der Verhandlung ruft der Initiativkreis zu einer kritischen Prozessbeobachtung auf, außerdem werden am ersten und am letzten Verhandlungstag Mahnwachen vor dem Landgericht stattfinden. „Wir wollen Solidarität mit Familie und FreundInnen Kamals zeigen“, sagt Schleicher. „Dabei geht es uns um ein klares und unmissverständliches Zeichen gegen Rassismus jeder Couleur. Dieser Rassismus ist im Alltag vieler Menschen verankert – und er fordert Menschenleben. Damit muss genauso Schluss sein wie mit den Versuchen, den Mord an Kamal zu verharmlosen.“

Die Staatsanwaltschaft hatte wiederholt betont, dass sie kein ausländerfeindliches Motiv erkennen könne, obwohl es sich bei beiden Tätern um Neonazis handelt – einer davon, Daniel K., war jahrelang in einer gewaltbereiten Kameradschaft aktiv. Offenbar spielte dieser Hintergrund auch im Zuge der polizeilichen Ermittlungen keine Rolle. Der Initiativkreis hat die Ermittlungsarbeit daher wiederholt als intransparent kritisiert. In die sächsische Statistik der rechtsmotivierten Tötungsdelikte ist der Fall nicht aufgenommen worden. Opferberatungsstellen wie die RAA Sachsen widersprechen der behördlichen Darstellung und schätzen die Tat als klar rassistisch motiviert ein. Kamal ist damit der sechste Mensch, der in Leipzig seit 1990 von Rechten ermordet wurde.

Bereits kurz nach dem Mord hatten in Leipzig spontan knapp 200 Menschen gegen Rassismus demonstriert (27. Oktober). Aufrufen des Initiativkreises zu weiteren Protesten folgten am 4. November etwa 1200 und am 29. Dezember etwa 300 Menschen. Auch Angehörige und FreundInnen Kamals hatten sich an diesen Solidaritäts-Aktionen beteiligt.