Mahnwache im Gedenken an Andre K/ 1. Juli in Oschatz

Am 27. Mai wurde am Südbahnhof Oschatz der 50jährige Andre K. von mindestens drei Tätern derart misshandelt, dass dieser am 1. Juni an den Folgen seiner Verletzungen in einem Leipziger Krankenhaus verstarb. Andre K war wohnungslos und störte das Weltbild der Täter. Mindestens einer der bekannten drei Tatverdächtigen war in der rechten Szene aktiv

Wir dokumentieren an dieser Stelle zwei Pressemitteilungen und rufen dazu auf am 1.7.2011 zur Mahnwache für Andre K. nach Oschatz zu kommen


Pressemitteilung des Oschatzer Bündnis für Demokratie, Menschlichkeit und Toleranz, 28.6.2011

Am 27. Mai wurde am Südbahnhof Oschatz der 50jährige Andre K. von mindestens drei Tätern derart misshandelt, dass dieser am 1. Juni an den Folgen seiner Verletzungen in einem Leipziger Krankenhaus verstarb. Insgesamt drei Tatverdächtige wurden in der darauf folgenden Woche festgenommen und sitzen seither in U-Haft.
Alle drei Tatverdächtigen sind aufgrund von Diebstählen, Beleidigung und Sachbeschädigung bereits der Polizei bekannt. Zumindest einer von ihnen ist bekennender Neonazi und hat an Veranstaltungen der Rechten Szene teilgenommen.

Aufgrund der laufenden Ermittlungen sind bisher keine weiteren Informationen zum Tatgeschehen bekannt, ebenso zum Motiv und einem möglicherweise politischen Hintergrund.

Um dem Opfer – das selbst wohnungslos war – zu gedenken, wird das Oschatzer Bündnis für Demokratie, Menschlichkeit und Toleranz am kommenden Freitag, den 1. Juli 2011, um 17:30 am Oschatzer Südbahnhof eine Mahnwache abhalten und ruft die BewohnerInnen der Stadt zur Teilnahme auf. Wenn ein Einzelner Wehrloser von einer Überzahl von Menschen derart zugerichtet wird, darf Gleichgültigkeit keine Reaktion sein.

Das Oschatzer Bündnis verurteilt die Tat entschieden. Da bisher keine Angehörigen ausfindig gemacht werden konnten, werden wir an ihre Stelle treten, die Entwicklung aufmerksam beobachten und die Tat weiter thematisieren. Das Bündnis steht dafür im Kontakt mit der Opferberatung der RAA Sachsen e.V., dem WEISSER RING e.V. sowie dem Mobilen Beratungsteam Nordwestsachsen.

Bereits am 17.6.2011 veröffentlichte die RAA Sachsen folgende Pressemitteilung:

Hinweise auf rechtes Tatmotiv bei Mord an Wohnungslosem in Oschatz

Am 27. Mai wurde der Wohnungslose André K. am Oschatzer Bahnhof von drei Männern so brutal zusammengeschlagen, dass er wenige Tage später seinen schweren Kopfverletzungen erlag.

Kati Lang, Beraterin: „Die bisherigen Informationen sowohl zum Tathergang als auch zu den Tätern lassen befürchten, dass in Sachsen rechte Gewalt erneut ein Todesopfer gefordert hat. Wir sprechen den Angehörigen und Freunden von André K. unser tiefes Beileid aus.“

Gewalt gegen Wohnungslose ist ein gesellschaftlich kaum wahrgenommenes Problem. Sie geschieht nicht selten aus der Motivation heraus einen „Penner fertig zu machen“. Das Opfer wird als „minderwertig“ und „asozial“ angesehen und ihm/ihr das Recht auf Leben abgesprochen. Aus dieser Einstellung heraus zeichnen sich Gewalttaten gegen Wohnungslose häufig durch schwere Misshandlungen und besondere Brutalität aus. So auch in Oschatz, wo die drei ortsansässigen Täter den 50-jährigen André K. mit Schlägen und Tritten so schwer verletzten, dass er aufgrund der massiven Gewalteinwirkungen verstarb. Mindestens einer der Täter wird laut Angaben der Linksfraktion im Sächsischen Landtag und des antifaschistischen Informationsportals GAMMA in der Naziszene verortet.

In Sachsen starben seit dem Jahr 2000 bereits drei Menschen, weil sie nicht in das sozialdarwinistisch geprägte Weltbild der Angreifer passten.

Im Juli 2008 wurde Karl-Heinz Teichmann schlafend auf einer Parkbank von einem Jugendlichen, der auf dem Rückweg von einer rechten Veranstaltung war, tödlich angegriffen. 2003 überlebte Günter T. seine Verletzungen nicht, die ihm während einer Feier am 20. April im Jugendclub „Giftmische“ in Stauchitz zugefügt wurden. Im Januar 2000 war der 52-jährige Wohnungslose Bernd Schmidt aus Weißwasser an schweren Kopfverletzungen verstorben, nachdem ihn zwei 15-Jährige drei Tage lang in einer Abrissbaracke misshandelt hatten. (Quelle: Die Zeit Online. 2010. URL: http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/todesopfer-rechter-gewalt. Zuletzt gesehen am 16. Juni 2011.) In den offiziellen Statistiken werden alle drei nicht als Todesopfer rechter Gewalt geführt.

Kati Lang: „Gewalt gegen Wohnungslose muss stärker in den Fokus der Öffentlichkeit rücken. Es ist an uns allen, Einstellungen entgegen zu wirken, die Menschen als „minderwertig“ deklarieren und ihnen das Recht auf körperliche Unversehrtheit oder gar das Recht auf Leben absprechen. Der Tod von Wohnungslosen darf nicht spurlos an einer demokratischen und sozialen Gesellschaft vorbeiziehen.“