Rassismus tötet!

Auch wir als Initiativkreis beteiligen uns an der Kampagne „Rassismus tötet!“. Im Rahmen dieser Kampagne werden wir am Mittwoch den 13.6.2012 eine Kundgebung um 20Uhr am Südplatz in Leipzig unter dem Motto:

Rassismus tötet -- In Gedenken an Nuno Lourenço – 1998 in Leipzig von Faschisten ermordet“ veranstalten.

Der Aufruf zur Kundgebung:

Rassismus tötet! — In Gedenken an Nuno Lourenço – 1998 in Leipzig von Faschisten ermordet

In den letzten Jahren packen die Deutschen anlässlich internationaler Fußballturniere der deutschen Herren gerne wieder in Massen das schwarz-rot-goldene Banner aus und freuen sich lauthals darüber „Deutsche“ zu sein. In der bürgerlichen Öffentlichkeit wird das Spektakel dann als „unverkrampfter“ Partypatriotismus gefeiert, der negative Auswirkungen nicht kennt. Dass es aber bei diesen nationalistischen Massenveranstaltungen schon immer zu menschenverachtenden Exzessen kommt, wird gerne verschwiegen. Weil damit nämlich auch eingestanden werden müsste, dass die Einteilung von Menschen in ein „Wir“ und die „Anderen“, z.B. anhand von vermeintlichen Nationalitäten, die Grundlage für menschenfeindliche Einstellungen wie Rassismus bietet und bisweilen auch tödlich enden kann. So erging es vor vierzehn Jahren Nuno Lourenço nach einem Spiel, dass die deutsche Fussball-Elf bei einem WM-Spiel verloren hatte.

Der portugiesische Zimmermann Nuno Lourenço war wegen eines Montage-Auftrages für ein halbes Jahr nach Deutschland gekommen und arbeitete auf der Baustelle des heutigen MDR-Zentrums im Leipziger Süden. Am 04.07.1998, Nuno Lourenços 49. Geburtstag, verließ er mit vier seiner Kollegen die gemeinsame Unterkunft in Gaschwitz (Markkleeberg) bei Leipzig. Er wollte seine Familie in Portugal von einer Telefonzelle aus anrufen. Während er telefonierte verlor die deutsche Fußballnationalmannschaft bei der Weltmeisterschaft in Frankreich gegen Kroatien 0:1 und schied damit früher aus dem Turnier aus. Dies nahmen Neonazis zum Anlass Jagd auf Migrant_innen zu machen. Nuno Lourenço und seine Kollegen wurden von acht 15 – bis 21 jährigen Neonazis aus dem Leipziger Umland angegriffen. Die mit Eisenketten bewaffneten Neonazis schlugen auf sie ein und schnürten Nuno Lourenço die Kehle zu bis er am Boden lag. Sie traten weiter mit Springerstiefeln auf sie ein. Dabei schrien sie „Blöde Ausländer, Scheiß-Ausländer, verpisst euch.“

Nuno Lourenço wurde nach dem Angriff mit schweren Verletzungen und inneren Blutungen in ein Krankenhaus in Leipzig gebracht. Durch eine Kopfverletzung konnte er sich nur noch eingeschränkt bewegen. Am 29.12.1998 starb Nuno Lourenço in Folge des Angriffs an seinen schweren Verletzungen in Portugal.

Als Haupttäter wurde der 21 jährige Andreas Sch. aus Böhlen bei Leipzig ermittelt. Andreas Sch. soll mehrmals mit Springerstiefeln gegen den Kopf von Nuno Lourenço getreten haben, dabei hat er es knacken gehört. Nach der Tat sagte er: „Hätte ich ein Messer gehabt, hätte ich dieses Schwein abgestochen“.

Für die Staatsanwaltschaft war das Tatmotiv „Ausländerfeindlichkeit“ klar, die angeklagten Neonazis gaben selber an „Ausländer hacken“ zu wollen. Die Anklage lief auf versuchten Totschlag bzw. gefährliche Körperverletzung. Bei der Urteilsverkündung am 20.September 1999 stellte das Gericht nach mehreren Monaten zwar fest das Nuno Lourenço an den Folgen der Tat gestorben sei, doch sei es nicht nachweisbar das die Angeklagten seinen Tod billigend in Kauf genommen oder mit Vorsatz gehandelt hätten. Andreas Sch. wurde zu einer Jugendstrafe von vier Jahren verurteilt, seine Mittäter erhielten Bewährungsstrafen und gemeinnützige Arbeitsstunden.

Der Haupttäter trat seine Haftstrafe erst an als das ARD-Magazin „Monitor“ die Tatsache skandalisierte, dass der zuständige Richter keinen Termin für den Haftantritt bestimmt hatte.

Eine Öffentlichkeit über den Tod von Nuno Lourenço und die Umstände vor Gericht kam nur zu Stande weil Noemia Lourenço, Nuno Lourenços Frau, sich sehr für ihren verstorbenen Mann einsetzte und als Nebenklägerin auftrat. Sie suchte Nuno Lourenços ehemalige Kollegen in Portugal auf und sorgte dafür, dass sie als Zeugen in Leipzig vor Gericht aussagten. 17.500 Euro musste sie für die Nebenklage und die Fahrtkosten, sowie Unterbringung der Zeugen aufbringen. Für die Witwe war das der finanzielle Ruin. Die Kammer hatte es angeblich „versehentlich“ unterlassen über die Kosten der Nebenklage zu entscheiden, während sie gleichzeitig darauf verzichtete den angeklagten Neonazis die Kosten des Verfahrens aufzuerlegen, obwohl es üblicherweise nach Verurteilungen immer zur Kostenübername durch die Verurteilten kommt.

Nuno Lourenço wird erst seit 2009 als ein Opfer rechter Gewalt in offiziellen Statistiken aufgezählt. Warum dies mehr als 10 Jahre gedauert hat, bleibt bis heute offen.

Wir wollen, dass Menschen wie Nuno Lourenço nicht vergessen werden, Menschen, die nicht ins Weltbild von deutschen TäterInnen passten und deshalb ihr Leben lassen mussten, Menschen, die sich nicht der Logik deutsch-nationaler Männeraufläufe und deren rassistischem, sexistischem und nationalistischem Gebahren unterwerfen wollen.

Mit unserer Kundgebung wollen wir an die Menschen erinnern, die rechte Gewalt erfahren mussten (und müssen). Wir wollen uns gegen den nationalistischen Irrsinn stellen und einen Rückzugsraum vor gewaltsamen Nationalstolz bieten.

Gegen jeden Nationalismus, Rassismus, Sexismus und Antisemitismus!

Wir scheißen auf Nationen!

Weitere Informationen: