Endspurt in der Verhandlung gegen die Mörder von André K.

Am 16.10. wurde die Verhandlung gegen die fünf Männer, die im Mai 2011 den Tod des wohnungslosen André K. verursacht haben sollen, fortgesetzt. Durch die Einlassung des mutmaßlichen Anstifters und Neonazis Ronny S. in der Verhandlung am 4.9.2012 kam es zur Verlängerung des Prozesses. Die von Ronny S. intendierte Entlastung seiner Person durch neue Zeugen scheint allerdings nach hinten loszugehen

Zwei der bereits gehörten Zeugen konnten sich entweder nicht an entlastende Informationen erinnern, die Ronny S. zur Untermauerung seiner Einlassung, nach der er weder anstiftend noch überhaupt bei der Gewalttat dabei war, anführte oder verstrickten sich vor Gericht in Widersprüche. Dem Zeugen René M., ein Zellenkumpel von S., droht sogar eine Anklage wegen Falschaussage.

Ein nun für den 16.10. geladener Zeuge, der Ronny S. entlasten sollte, erschien gar nicht. Er soll am nächsten Verhandlungstag, dem 8.11., polizeilich vorgeführt werden.

Neben der Benennung von Zeugen versuchte Ronny S. sich am 4.9. mit der Information, am Tag des Mordes an André K. Crystal konsumiert zu haben, zu entlasten. Der Sachverständige Dr. Wendt, der psychologische Gutachten über die erwachsenen Angeklagten erstellt hat, wurde dazu am 16.10. befragt und bekundete, dass sich durch diese Information keine Änderung seines Gutachtens ergeben würde: Ronny S. bleibt vollständig schuldfähig.

Zwei Anträge spielten am 16.10. außerdem eine Rolle.
Der Verteidiger des zweiten Hauptangeklagten Sebastian B., RA Stolzenburg, hatte die Aussetzung des Verfahrens beantragt. Dieser Antrag wurde abgelehnt.

Die Vertreterin der Nebenklage, Undine Weyers, (beauftragt von den Kindern von André K.) beantragte nunmehr rechtliche Hinweise im Hinblick auf mögliche Verurteilung wegen Mordes auch auf Grund von Heimtücke zu erteilen. Damit würde die Möglichkeit der Würdigung eines sozialdarwinistischen Tatmotives näher rücken, das in den bisherigen Verhandlungstagen nicht nur keine Rolle spielte, sondern von Staatsanwaltschaft und Richter systematisch ausgeschlossen wurde.
Bereits am 25.9. hat das Gericht entsprechende rechtliche Hinweise erteilt, nach denen im Fall der beiden Hauptangeklagten Sebastian B. und Ronny S. entgegen der Anklage der Staatsanwaltschaft, die auf Totschlag lautete, auch ein Urteil wegen Mordes aus niedrigen Beweggründen erfolgen. könnte. Dies ist zwar ein Erfolg, bedeutet, so wie es das Gericht formuliert hat, aber nicht wirklich, dass die Motive der Tat gewürdigt werden würden, sondern dass sie sinnlos (!) und besonders kaltblütig war.
Der Antrag von Undine Weyers will auch inhaltlich tiefer graben und wurde bis dato durch das Gericht nicht beschieden.

Weitere Verhandlungstage folgen am 8.11. und 13.11.2012, Dann sollen die restlichen von Ronny S. benannten Zeugen gehört werden bzw. das Urteil gesprochen werden. Die Hoffnung, dass das Gericht die vorliegenden Indizien für eine rechtes i.S.v. sozialdarwinistisches Tatmotiv anerkennen, tendiert allerdings gegen Null.