Demonstration gegen Sozialdarwinismus in Leipzig im Vorfeld der Urteilsverkündung gegen die Mörder des wohnungslosen Andre K.

50 Menschen demonstrierten am 11.11.2012 in Leipzig unter dem Motto „Gegen jeden Sozialdarwinismus“. Die Kampagne „Rassismus tötet!“ hatten angesichts der am 13.11. anstehenden Verkündung des Urteils gegen die Mörder des Wohnungslosen Andre K. zu dieser Aktion aufgerufen.

In der Nacht zum 27. Mai 2011 wurde der schlafende Wohnungslose André K. am Oschatzer Südbahnhof von mindestens fünf Männern im Alter von 16 bis 36 Jahren brutal zusammengeschlagen. K. erlag am 1. Juni 2011 seinen schweren Verletzungen. Unter den mutmaßlichen Tätern befindet sich auch Ronny S.(27), der der NPD-Jugendorganisation JN in Nordsachsen zuzurechnen ist.
Nach einem fast ein Jahr währenden Prozess am Landgericht Leipzig wird für den 13.11.2012 die Urteilsverkündung erwartet.

„Die Täter sind Neonazis, die aus sozialdarwinistischen Motiven gehandelt haben. Sie haben Andre K. ermordet, weil er einen geringeren sozialen Status als sie besaß.“ erklärt Miriam Schleicher, Sprecherin der Leipziger Kampagnengruppe von „Rassismus tötet!“
Diese Tat kann nur als Spitze eines gesamtgesellschaftlich verbreiteten Sozialdarwinismus gesehen werden. Das Handeln von Gerichten und Polizei ist dafür exemplarisch, auch in diesem Fall: Das Tatmotiv wird ausgeblendet, die Täter werden als „unpolitisch“ eingestuft. Und mehr noch: der vorsitzende Richter reproduziert das Ungleichwertigkeitsdenken der Täter, indem er ZeugInnen und auch die Täter aufgrund ihres sozialen Status herabwürdigt. Das Verhalten des Richters illustriert die gesellschaftliche Einbettung sozialdarwinistischen Denkens. „Täter wie die, die derzeit vor Gericht stehen, setzen das um, was Politik und Gesellschaft ihnen vorgeben,“ so Miriam Schleicher.

Auf der Demonstration wurde in einem Redebeitrag auch auf die Folgen städtischer Ordnungspolitik für sozial Marginalisierte hingewiesen. Sitzgelegenheiten im innerstädtischen Raum wurden schon vor Jahren derart umgestaltet, dass darauf Schlafen nicht möglich ist. Durch das nächtliche Schließen der Sparkassenfilialen in Leipzig werden Wohnungslose, die sich dort in kalten Jahreszeiten aufwärmen, gezielt ausgeschlossen. Solche und ähnliche Maßnahmen haben schwere Konsequenzen für die Betroffenen: Die Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe e.V. zählt 274 Wohnungslose, die seit 1991 erfroren sind, weil sie keinen Schutz gefunden haben.

Miriam Schleicher erklärt abschließend: „Die Abwertung und Benachteiligung von sozial Marginalisierten, wie z.B. Wohnungslosen, muss ein Ende haben. Wir fordern eine solidarische Gesellschaft ohne Konkurrenz- und Leistungsdruck.“

Spendenaufruf RAA Sachsen e.V.
Was immer noch vonnöten ist, ist ein würdiges Grab für André K. Die Familie des Verstorbenen wurde durch die Polizei von dessen Ermordung nicht informiert. Als die Angehörigen die Todesnachricht erhielten, war Andre. K. bereits beerdigt: in einem Urnensozialgrab. Die Familie möchte nun eine würdige Ruhestätte für Andre K. Die dafür entstehenden Kosten sollen durch Spenden erbracht werden.

Spendenkonto:
Jugend-, Kultur- und Umweltzentrum e.V.,
Konto: 2200024013
BLZ: 860 555 92 (Sparkasse Leipzig)
Verwendungszweck: Spende Umbettung André K.