Am 27.3.2012 wurde die Verhandlung um die Tötung von André K. fortgesetzt. Weiterhin schweigen drei der sechs Angeklagten. Der Prozesstag 29.3. entfiel aufgrund der Erkrankung einer Schöffin. Inzwischen wurden 5 neue Verhandlungstage angesetzt.

Am 27.3.2012 sollten vier Polizeizeugen zu Wort kommen. Nachdem zwei mit der Spurensicherung am Tatort betraute Beamten ausgesagt hatten, wurden die beiden anderen ungehört entlassen. Der Erkenntniswert der Aussagen blieb gering. Die Informationen, dass die Tat sich in einem Wartehäuschen des Oschatzer Südbahnhof zugetragen hat und sichtbare Blutspuren hinterlassen hatte, waren bereits vorher bekannt. Ob der schwer verletzte André K. nach der Gewalttat auch noch auf die Bahngleise gelegt wurde, wie es der Zeuge Danilo H. am 24.2. geäußert hatte, blieb offen.
Bevor H. selbst am 27.3. ein zweites Mal zu Wort kam, legte der medizinische Gutachter die Untersuchungsergebnisse der Angeklagten Sebastian B., Ronny S. und Silvio H. dar. Neben der Information, dass alle drei ein Alkohol-Konsum-Problem haben, rückte die Nebenklagevertreterin Undine Weyers die Tätowierungen, die alle drei am Körper tragen in den Fokus. Auffällig hierbei die satanistischen Zeichen am Körper von Sebastian B. („666“, Schriftzug „Satan“ und Runen), zu den genauen Darstellungen bei den beiden anderen konnte nicht viel gesagt werden. Ronny S., der enge Kontakte zur Naziszene unterhielt und -hält, sei „großflächig“ tätowiert und trage auf den Händen die Schriftzüge „SKIN“ und „ACAB“.
Danilo H., ein guter Bekannter des Angeklagten Silvio H., der nicht direkt bei der Tat dabei gewesen, aber in der Nähe gestanden habe und dem deswegen „unterlassene Hilfeleistung“ vorgeworfen wird, wurde zum Abschluss des Prozesstages am 27.3. ein zweites Mal verhört. Er war am Morgen des 27. Mai 2011, unmittelbar nach der Tat, von Silvio H. angerufen und umfassend über die Vorgänge informiert worden. Darüber hinaus stand er selbst im Fokus – bevor die Gruppe sich aufgemacht hatte, André K. zu suchen und zu misshandeln, hatte Ronny S. bekundet von Danilo H. „Schulden eintreiben“ zu wollen. Auch in Bezug auf André K. musste dies als Grund für eine „Abreibung“ herhalten. Danilo H. hatte im Telefonat mit Silvio H. auch erzählt bekommen, dass zwei der Angeklagten nach der Tat zum Ort des Geschehens zurückgegangen waren, um die abgebrochene Spitze eines Samuraischwertes zu suchen, das Sebastian B. gegen den wohnungslosen K. erfolglos einzusetzen versuchte. Dabei hätten die beiden den schwer Verletzten auf die Bahngleise gelegt. Wenn dieser Verlauf verifiziert werden kann, könnte dies Konsequenzen für das Strafmaß von Tommy J. und Sebastian B. haben.
Da H. nicht selbst bei der Tat dabei war, blieben seine Aussagen vage und dürften für die Verhandlung wenig relevant sein. Silvio H. schweigt weiterhin zum Tatverlauf.
Negativ stieß bei der Vernehmung des Danilo H. das Verhalten des Richters auf. Dieser versuchte den Zeugen immer wieder abzuwerten („sie müssen sich doch erinnern können, sie haben als Arbeitsloser doch sonst nichts zu tun“ o.ä.), unglaubwürdig zu machen und mit autoritären Drohungen zu belegen.

Bei den kommenden Verhandlungstagen sollen weitere ZeugInnen gehört werden, unter anderem Bekannte von Ronny S. und Sebastian B. und Polizeibeamte. Spannend bleibt ob ein sozialdarwinistisches Tatmotiv noch klarer herausgearbeitet werden kann und ob die Rolle des 16-jährigen Chris K. , zu dessen Tatbeteiligung es widersprüchliche Aussagen gibt, geklärt werden kann.

Termine:

* 16.04.2012, 8.00 Uhr, Saal 14
* 24.04.2012, 9.00 Uhr, Saal 14
* 25.04.2012, 9.00 Uhr, Saal 14
* 29.05.2012, 8.30 Uhr („Schiebetermin“)
* 31.05.2012, 14.00-17.00 Uhr
* 21.06.2012, 8.30 Uhr („Schiebetermin“)
* 2.07.2012, 14.30 – 18.00 Uhr
* 4.07.2012, 10.15 Uhr